Hallo zusammen,

wie bereits angekündigt, werde ich in diesem Blog von meinen Erlebnissen an meiner neuen Schule berichten.

Und eins kann ich bereits vorwegnehmen: Die ersten Schulwochen waren wirklich wie erwartet ganz anders im Vergleich zu Deutschland und somit sehr aufregend!

Als endlich der erste Schultag gekommen war, durfte ich also auch ENDLICH die Schuluniform tragen. Hemd und Krawatte tragend merkte ich aber auch langsam, dass sich die Schulen in Südafrika wirklich von den Deutschen unterscheiden. Auf der 30 minütigen Autofahrt zur Schule bekam ich noch die letzten Regeln erklärt, die von Aufstehen, wenn der Lehrer den Raum betritt, über das Verbot den Rasen zu betreten, reichten. Während mir die, für mich völlig neuen, Regeln erklärt wurden, spürte ich schon auf der Autofahrt eine gewisse Zusammengehörigkeit, wenn man andere Schüler in der selben Uniform sah. Kurz vor der Schule gerieten wir dann in den täglichen Stau. Dieser entsteht hier jeden Morgen aus dem Grund, dass wirklich jeder Schüler mit dem Auto kommt. Das hängt damit zusammen, dass es in Südafrika nur wenige gute Schulen gibt und viele deshalb einen langen Weg auf sich nehmen, um eine gute Schule zu besuchen. Für diejenigen, für die der Weg zu weit ist, um ihn täglich zu fahren, für die gibt es eine Art Herberge in der Schule, wo sie dann wohnen und nur in den Ferien nach Hause fahren. Als wir dann an der Schule ankamen, war ich erstmal erstaunt wie riesig die Schule ist (kleiner Ausschnitt oben rechts). Denn mal ganz abgesehen von der Schüleranzahl, besitzen gute Schulen in Südafrika schuleigene Tennis-, Hockey-, Fußball- und Rugbyfelder. Nachdem ich mich dem Direktor vorgestellt hatte, wie es hier üblich ist, ging ich mit meinem Gastbruder zum morgendlichen Register, wo die Anwesenheit überprüft wird. Dort hießen mich alle herzlich willkommen, weshalb meine anfängliche Befürchtung, auf Desinteresse zu stoßen, völlig unberechtigt war. Als ich dann noch die von mir aus Deutschland mitgebrachten Haribos verteilte, kam ich auch mit den Letzten ins Gespräch und der Grundstein für eine schöne Zeit war bereits gelegt. Den restlichen ersten Tag verbrachten wir vor allem damit, dass alle ihre Noten gesagt bekamen, die auf dem Zeugnis stehen. Denn das Zeugnis bekommt man hier, im Gegensatz zu Deutschland, erst nach den Ferien. Am Ende des Tages stand noch ,,Assembly“ an, worunter ich mir von allem am wenigsten vorstellen konnte. Noch bevor mich mein Gastbruder zu dem Gebäude wo ,,Assembly“ stattfindet, führte, konnte ich mir durch das aufgeregte Gerede über ,,Assembly“ und dem Fakt, dass es jeden Montag und Freitag ist, denken, welchen Stellenwert ,,Assembly“ für die Schule hat. Dadurch, dass der Stellenwert eben so hoch ist, war der Andrang von Schülern, die in das Gebäude wollten, eben auch so groß. Deshalb mussten wir uns beeilen, um einen der beliebten Plätze zu ergattern. Denn wer keinen Platz findet, kann nur eine Liveübertragung vom Klassenraum aus gucken. Doch glücklicherweise erkämpften wir uns unsere Plätze. Die ganzen Schultrophäen in den Vitrinen beeindruckten mich schon bevor die Versammlung überhaupt begonnen hatte. Zuerst werden immer alle Lehrer von den bereits sitzenden Schülern mit tobendem Applaus zur Versammlung willkommen geheißen. Anschließend wurde zusammen gebetet. Selbst das war imposant, weil es eine riesige Masse an Schülern geschafft hat, nicht einen Mux zu sagen. Daraufhin hielt der Schulleiter eine Motivationsrede für das neue Quartal. In der Rede versuchte er sowohl die Motivation für bessere schulische, als auch sportliche Leistungen zu puschen. Zum Schluss haben wir dann noch die Schulhymne gesungen. Dabei konnte ich einen ,,Schulspirit“ erleben, wie ich ihn in aus Deutschland nicht annähernd kenne. Es war ein faszinierendes Bild eine große Menge Schüler, mit einheitlicher Kleidung stehen zu sehen. Jeder fasst sich an sein Herz und sang so laut wie er nur konnte. Und glaubt mir: Bei einer Jungenschule, in einem Gebäude, das schallt, ist das ziemlich laut. In der restlichen Woche bekamen meine Mitschülere ihre restlichen Noten und die Schule fing wieder an ernst zu werden. Ich lernte immer mehr Leute kennen und fing an, mich immer wohler zu fühlen. Am Freitag der ersten Schulwoche, fand auch schon wieder etwas statt, was ich so aus Deutschland nicht kannte. Meine Schule organisierte ein Fußballturnier, zu dem Schulen aus dem ganzen Land anreisten. Die ganze Schule bekam sogar schulfrei, um unser Schulteam anzufeuern. Obwohl unsere Schule immer das ganze Spielfeld umrandete und wir unsere Schulsongs sangen, schied unser Fußballteam leider nach einigen Siegen knapp aus.

In der zweiten Woche ging es in der Schule dann richtig los. Neben den ganzen neuen Regeln, an die ich mich versuchte bestmöglichst zu halten, es meist aber nicht schaffte, weil ich immer mal vergaß aufzustehen, wenn der Lehrer den Raum betratt, war mir außerdem der Stundenplan fremd. In Südafrika hat man nur Sieben Fächer, die man dann auch täglich hat. Doch daran gewöhnt man sich sehr schnell.

In den letzten Wochen hatte ich vor allem in Fächern wie Biologie, durch die vielen spezifischen englischen Begriffe Schwierigkeiten zu folgen. Fächer wie zum Beispiel Mathe fallen mir hingegen relativ leicht, weil ich dafür nicht all zu viele Fremdwörter kennen muss.

Abschließend kann ich wirklich nur sagen, dass meine Schule vom Schulstoff her mit einer deutschen Schule zu vergleichen ist und das Bild von schlecht ausgebildeten Lehrkräften und schlecht ausgestatteten Schulen, was die meisten Leute im Kopf haben, wenn sie an afrikanische Schulen denken, nicht zwingend der Fall ist. Doch was man überhaupt nicht mit einer deutschen Schule vergleichen kann, ist das Gemeinschaftsgefühl in einer südafrikanischen Schule. Der ,,Schulspirit“ ist sogar so groß, dass die ganze Schule am letzten Wochenende durch das halbe Land gereist ist, nur um das erste Schulrugbyteam in einem Spiel anzufeuern. Und das ist wirklich etwas um das man südafrikanische Schulen nur beneiden kann. Genau dieser Zusammenhalt ist auch das, was mich bisher am meisten hier begeistert hat.

Ich hoffe, ich konnte euch einen möglichst genauen Einblick in mein Schulleben geben.

Ich wünsche euch allen auf diesem Weg einen guten Start ins neue Schuljahr.

Hier unten habe ich noch ein Bild von mir und meinen Freunden in Schuluniform angehangen.

In dem Sinne bis zum nächsten Blog

Euer Paul

 

 

 

 

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