Auch wenn noch einiges ungewohnt fuer mich ist habe ich mich jetzt nach zwei Monaten auf jeden Fall eingelebt. Ich finde meinen Alltag hier ziemlich abwechslungsreich und ich habe fast immer etwas zu tun. Der letzte Monat hier war wirklich vollgepackt mit Erlebnissen. Ich hatte kaum Zeit den Bericht zu schreiben und bin froh, dass ich noch einigermasen puenktlich bin.

In Nordamerika sind die Feiertage ja etwas anders. Vor zwei Wochen zum Beispiel hatte ich Thanksgivingdinner mit meiner Gastfamilie und ein paar Bekannten. Es war fuer mich mal wieder das erste mal ueberhaupt und es war wirklich nice. Es war wohl die beste Mahlzeit, die ich hier bis jetzt gehabt habe. Natuerlich gab es traditional turkey.

In der Schule ergeht es mir soweit ganz gut. Meine Noten stimmen und der Unterricht macht Spass. Generell sind vor allem die Lehrer viel lockerer und zu Scherzen aufgelegt als in Deutschland. Die Schule ist so ziemlich die Hauptbeschaeftigung aller Schueler. Vor allem weil es so viele Sportteams und verschiedene Gruppen gibt, aber auch weil die Schule bis 3 Uhr nachmittags geht und man dann noch Hausaufaben machen muss. So sieht dann auch mein Schulalltag aus. Richtig Zeit habe ich in der Woche nicht gerade, weil ich neben den Hausaufgaben auch noch Volleyball spiele.

Bis jetzt hatte ich mit meiner Volleyballmanschaft insgesamt vier Ligaspiele und drei Turniere. Die Ligaspiele haben wir klar gewonnen, und auch wenn die Mannschaften nicht wirklich gut waren, war es auf jeden Fall gut fuer unser Selbstbewusstsein.

Das zweite Turnier unserer Saison fand in Kelowna statt und hiess “Best of the West”, zurecht wie ich finde. Es waren 48 Teams vertreten es waren ein paar richtig Gute dabei. So kam es wir in der Gruppenphase nichts mitzureden hatten. Nach drei verlorenen Spielen sind wir dann etwas geknickt in das naechste Restaurant gegangen.

An dieser Stelle moechte ich mal ein paar Worte an das Essen hier verlieren. Es ist ehrlich gesagt besser als ich durch Erfahrungsberichte befuerchtet habe. Es schmeckt mir nicht annaehernd so gut wie in Hotel Mama, aber denoch gut genug um richtig reinzuhauen. Ich hatte wohl auch Glueck mit meiner Gastfamilie. Wir haben naehmlich jeden Abend ein ordentliches Dinner zusammen, wo wir dann gemeinsam ein bischen ueber den Tag reden. Das haelt die Familie ein bischen zusammen, weil meine beiden Gasteltern arbeiten gehen und man sonst nicht wirklichzusammenkommen wuerde.

Einen Tipp gebe ich euch noch: Bestellt niemals einen grossen Teller in Nordamerika ohne vorher nachzufragen wie gross der eigentlich ist. Ich habe den Fehler gemacht und den naechsten Tag erst am fruehen Abend wieder gegessen. Ok, genug zum Essen. Widmen wir uns wieder wichtigeren Dingen.

Am naechsten Tag stand das K.O. System der Dritt- und Viertplazierten an. Wir konnten also bestenfalls 25ster werden. Daraus wurde dann leider auch nichts. Immerhin sind wir erst nach zwei gewonnenen Spielen rausgeflogen. Letztes Wochenende hatten wir dann ein Turnier an unsere Schule. Das verlief aber auch alles andere als positive. Vor heimischen Publikum immer im entscheidenden Satz zu verlieren ist nicht gerade das, was wir uns erhofft haben. Jedenfalls haben wir nach den drei Spielen dann das Heimspiel der TRU-Mannschaft gegen Calgary verfolgt (TRU = Thompson River University). Fuer mich war es das erst Match auf Profi-Niveau, dass ich mitverfolgen konnte. Ich muss schon sagen, die Jungs koennen spielen, kein Zweifel. Die Stimmung war auch ganz gut. Es war etwa so wie bei einem schlecht besuchten Handballspiel in Deutschland.

Das Reisen hier dauert wirklich lang, gerade fuer mich, weil ich ja aus dem Pott bin. Aber die Aussicht ist so viel besser, dass es schon richtig Spass macht auf dem Highway zu fahren. Wo wir gerade beim Thema Reisen sind:
Ausserdem war ich mit meiner Jugendgruppe von der Kirche in Penticton, welches nahe an der US-Grenze liegt. Penticton liegt wie Kelowna am Okanagon Lake, welcher 135 Kilometer lang ist. Jedenfalls hatten wir unser Quartier in einer Kirche und eine Menge Spass. Wir haben zum Beispiel unser eigenes “Amazing Race” gemacht. “The Amazing Race” ist eine jaehrliche TV-Show, wo zehn Zweierteams an einem Rennen um die Welt teilnehmen. Das letzte Team der Runde wird immer disqualifiziert, sodass am naechsten Sonntag immer ein Team weniger fuer 1 Millionen Dollar kaempfen kann. Ich finde die Show ganz amuesant und gucke diese immer mit meinen Gasteltern. Bei uns sah das natuerlich etwas anders aus. Wir mussten z.B. aus Gedichten schlau werden, Puzzle loesen oder Chips versuchen so zu werfen, dass moeglichst viele im Gesicht eines Teammitgliedes mit Rasierschaum im Gesicht stecken bleiben.

Natuerlich konnte ich das groesste Naturspektakel in British Columbia, den Salmon Run, nicht verpassen. Menschen aus aller Welt kommen dorthin, um den Lachsen beim Laichen und Sterben zusehen und ich habe das Glueck, dass es direkt vor meiner Haustuer liegt. Alle vier Jahre ist der Salmon Run besonders gross und ich habe leider das schlechteste Jahr abbekommen. Letztes Jahr war es mit ueber 50 Millionen Lachsen fuer nur einen Fluss naehmlich der Groesste ueberhaupt. Das ist mir bei der ganzen Ueberfischung und Umweltverschmutzung ein Raetsel aber mir soll es rcht sein. Dieses Jahr kamen mit ueber 500 tausend Lachsen immerhin fuenf mal mehr als erwartet. Ich fand, es war ein super Erlebniss, auch wenn ich ein bischen spaet war und man schon fast mehr tote als lebende Fische gesehen hat. Den Gestank fand ich eigentlich gar nicht schlimm. Es riecht fuer mich besser als “auf’em Land”, so viel ist sicher.

Ausserdem war diese Woche auch Halloween und es war das erste richtige mal “Trick or Treat” fuer mich. Also verglichen mit dem Halloween hier ist Deutschland ein Klacks. In der Schule hatten wir zum Beispiel ein Wettbewerb fuer verschiedene Arten von Kostuemen und es war das erste mal in der Lunch Pause, dass ich die Kafeteria leer gesehen habe. Es ist wirklich cool wie sich manche fuer etwas eher Kindisches so ins Zeug legen. Von Darth Vader zu Rapunzel plus Turm war fast alles dabei und meine Schule ist nur mittelgross. Nach der Schule bin ich dann zu Freunden und wir hatten wir eine Art Halloween-Abschiedsparty fuer eine arme franzoesiche Freundin von mir, die schon nach Hause musste. Drei Monate sind halt ziemlich kurz. Als es dunkel wurde sind wir dann los. Die Strassen waren natuerlich voll, zor allem mit kleinen Kindern. Ich kam mir ein bischen dumm vor, weil die meisten Kinder zwischen meinen Beinen hindurchlaufen konnten und jeder zweite gesagt hat ich waere zu alt.

Trotzdem war es auf jeden Fall ein schoenes Erlebniss, das ich auf jeden Fall mitnehmen musste. Mir haben besonders die ganz verrueckten Haeuser gefallen. Dort wurde man wenigsten mal richig gut erschreckt, auch wenn die Meisten das gar nicht gut fanden. Am Ende hatte ich wirklich genug Candy und dann ging das Tauschen los. Wir hatten eine richtige Tauschboerse im Keller und es war ein bischen wie auf dem Jahrmarkt.

Wie man sieht wird es hier nicht so schnell langweilig und in drei Wochen geht die Skisaison ja erst los. Skier habe ich mir schon gekauft. Es fehlt nur noch der Schnee! Und das war es dann auch erst mal aus dem fernen Kanada.

Categories: 2011Niklas

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