Hello from Canada!

Ich lebe jetzt schon 1 Monat in meiner neuen Heimat in Kamloops und das Abenteuer Ausland ist in vollem Gange. Trotzdem fange ich lieber ganz von vorne an. In Deutschland ist ja auch schon einiges passiert, dass mein Austauschjahr möglich gemacht hat.

Noch vor einem Jahr ist es mir überhaupt noch nicht in den Sinn gekommen ein Austauschjahr zu machen. Dann ist mein Freund für ein Jahr in die USA gegangen und dann hat mich so langsam das Fernweh gepackt. Ein neues Leben in einem fremden Land anfangen, die dortige Kultur kennenlernen, neue Freundschaften auf Lebenszeit schliessen, eine neue Sprache lernen, das alles und noch viel mehr überzeugte mich, diesen großen Schritt zu tun.

Ich wollte von Anfang an gerne nach Kanada. Die Frage war, ob ich nach französisch oder englisch Kanada gehe. Beides hatte seine Vorzüge. Erst nach einem langen Hin und Her stand meine neue Heimat fest. Meine Stadt, Kamloops, ist eine kleine Stadt im Süden der Provinz British Columbia und liegt in einer Halbwüste. Kanadas “Tournament Capital” ist mit über 2000 Sonnenstunden pro Jahr, einer der sonnigsten Orte in BC. Im Winter fällt der beste “Powder-Schnee” und das nächste große Skigebiet ist weniger als eine Stunde entfernt. Besser könnte es für mich nicht sein.

Nachdem diese Entscheidung getroffen war, fehlte nur noch die Gastfamilie. Auch meine Familie sollte die Entscheidung nicht bereuen. Der aeltere Sohn meiner zukuenftigen Familie wird naemlich 5 Monate mit meiner Familie in Deutschland leben. Es ist also ein richtiger Austausch! Meine Gastfamilie besteht aus zwei Gasteltern, einem Gastbruder in meinem Alter und einem Hund namens Dougal.

Die Wochen vor meiner Abreise zogen sich ein bischen dahin und die Vorfreude wurde immer größer. Nicht nur bei mir sondern auch bei meiner ganzen Familie. Am 27. August war es dann soweit. Der Abschied stand an. Ein Jahr würde ich meine Familie nicht sehen, aber ich wollte es ja so. Im Flugzeug nach Vancouver befand ich mich sozusagen zwischen zwei Welten. Der vertrauten in Deutschland und meiner neuen in Kanada. Als ich dann nach der längsten Reise meines Lebens endlich in Kamloops ankam, war ich natürlich ueberglücklich aber auch hundemüde und bin quasi sofort eingeschlafen.

In der ersten Woche hatte ich noch Ferien und somit Zeit mein Jetlag zu überwinden. Da kam es mir gerade Recht, dass wir die meiste Zeit an einem wunderschönen See verbrachten, an dem meine Gasteltern ein kleines Haus haben.

Nur Faullenzen kam natürlich auch nicht in Frage.

Nach der ersten Woche, ging mein neuer Alltag los, die Schule. Ich gehe hier auf die Sa-Hali Secondary. Sa-Hali kommt aus der Sprache der Eingeborenen und bedeutet am Hang. An diesem Hang, dem upper Sa-Hali Stadtteil, liegt  mein neues Haus, 400 Meter über der Innenstadt. Ich habe einen richtig guten Ausblick über Kamloops. Jedenfalls fühle ich mich jetzt richtig wohl in der Schule, auch wenn es am Anfang ungewohnt für mich war. Die Schule hier ist halt anders als meine in Deutschland.

Ich habe zum Beispiel jeden Tag die gleichen vier Fächer. Im Moment habe ich Mathematik, Physic ,Sport und ESL (English as a second language). ESL ist ein Programm an meiner Schule nur für die internationalen Schüler. Das Ziel in diesem Kurs ist es das Englisch schnell zu verbessern und es den Austauschschülern zu erleichtern sich zu integrieren. Das mit dem integrieren klappt soweit auch ganz gut bei mir. Ich bin in Klasse (Grade) 11, also eine Stufe höher als in Deutschland, und habe schon ein paar nette Bekanntschaften gemacht. Richtige Freunde habe ich in der kurzen Zeit noch nicht wirklich gemacht.

Der Sportunterricht ist hier auch ein bischen anders, oder eher gesagt die Sportarten. Da zwei weitere Klassen mit meiner gleichzeitig Sport haben, machen wir verschiedene Sportarten. Wir hatten bis jetzt Volleyball, Ultimate Frisbee, Rugby und Softball. Die letzten beiden Sportarten waren für mich komplett neu. In Rugby bin ich ganz gut, aber wir spielen ja auch nur Schulrugby. Das heißt so viel wie keine Tacklings. Da bin ich auch ganz froh drueber, bei den Kanten, die hier manchmal rumlaufen. Beim Softball gingen die ersten 10 Versuche den Ball zu treffen voll in die Hose, aber mit dem ersten getroffenem Ball habe ich gleich einen Homerun geschafft. Später musste ich mir eingestehen, dass das ein glücklicher Zufall war.

Natürlich habe ich auch versucht in eine Schulmannschaft zu kommen, weil man durch Sport viele Gleichgesinnte trifft und natürlich viel Spaß hat. Da ich im Urlaub und in der Schule sehr gerne Volleyball gespielt habe, war ich bei den Tryouts für Volleyball dabei. Ich hatte aber noch nie in einer richtigen Mannschaft gespielt und kannte noch nicht einmal alle Regeln für Hallenvolleyball. Ich habe es trotz eines guten Niveaus in den Tryuots in die Mannschaft geschafft. Der Coach hat mir gesagt, dass ich viel Potential habe und ich mich zu einem wichtigen Spieler entwickeln kann. Ich habe mich natürlich tierisch darüber gefreut. Ich habe jetzt dreimal die Woche 90 Minuten Training und fall dann immer wie ein Stein ins Bett.

Letztes Wochenende hatten wir unser erstes Turnier. Ich habe jeden zweiten Satz auf meiner “Middle-Position” gespielt und war auch ganz zufrieden mit mir. Trotzdem haben wir in der Gruppenphase alles verloren, wenn auch knapp. Das erste K.O. Spiel haben wir dann gewonnen. Danach mussten wir gegen eine richtig gute Mannschaft spielen. Wir haben im ersten Satz 24 zu 20 geführt und dann noch in zwei verloren. Für das erste Turnier der Saison war es aber nich schlecht und hat viel Spaß gemacht.

Meine Muskeln im Oberschenkel sind jetzt schon total am Ende und am Donnerstag haben wir den Terry Fox Run. Terry Fox ist ein kanadaischer Volksheld. Er hat mit 18 jahren ein Bein durch Krebs verloren. Mit nur einem Bein und einer startete er 1980 den Marathon of Hope. Er wollte ueber 5500 Meilen quer durch Kanada laufen und dabei Geld sammeln um Krebs zu bekämpfen. Er lief jeden Tag einen Marathon, eine unglaubliche Leistung, selbst mit 2 Beinen. Nach ca. 3300 Meilen musste er dann abbrechen. Er hatte erneut Krebs, diesmal in seinen Lungen. Er konnte seinen Marathon nie zuende bringen und starb. Ganz Kanada hat mit ihm gelitten. Bis heute wurde in seinem Namen über 500 Millionen Dollar gegen Krebs gesammelt. Ich persönlich finde dass er Großes geleistet hat und dass der Terry Fox Run eine richtig gute Sache ist.

So das war’s erstmal aus dem herbstlichen Kanada.

See you.

Niklas


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